Ondas. Musik von Troubadours und Flagellanten
Estampie, Die Stimme des Mittelalters





medieval.org
Red Moon 8573-82232-2

2000
2007: Galileo GMC 025
2008: Dancing Ferret Discs DFD-20525







1. Reis glorios  [8:15]
Alba | Guiraut de BORNEILH

2. Disse mi  [5:17]
Cantiga de amigo | t: Fernão Rodrigues de Calheiros

3. Quantas Sabedes  [4:14]
Cantiga de amigo | Martin CODAX · ca V

4. O Fortuna  [3:51]
Carmina Burana | CB 17

5. Estampie V  [4:26]

6. Voi ch'amate  [5:49]
7. Nel mio parlar  [4:02]
8. Ben e crudele  [3:49]
Laude

9. Non sofre Santa Maria  [2:38]   CSM 159
10. Quantos me creveren  [1:49]   CSM 120
Cantigas de Santa Maria | ALFONSO X el SABIO

11. Aquestas noytes  [4:42]   CMGP  1206
Cantiga de amigo | t: Juião Bolseiro













Estampie
Die Stimme des Mittelalters

Gesang: Sigrid Hausen, Cornelia Melián
Instrumente und Chor: Michael Popp, Ernest Schwindl, Cas Gevers
Percussion: Sascha Gotowtschikow, Thomas Simmerl, Johann Bengen

Gastmusiker: Gerlinde Sämann, Sasch Tanchev, Tobias Schlierf, Hans Schanderl


Konzeption: Michael Popp
Aufgenommen und gemischt im Tap-Tone-Studio, München,
von Johann Bengen (Februar bis September 1999)

Mastering: GLS-Tonstudios, München

Produziert von ESTAMPIE

Artwork: Christian Goldbrunner, go-media.design

℗ 2000 & © 2000 Red Moon










DIE MUSIK VON ESTAMPIE

Umberto Eco, Theoretiker und Romanautor, sieht erstaunliche Parallelen zwischen Mittelalter und Moderne. Auch in jener angeblich so dunklen Zeit existierte Gegensätzliches nebeneinander, auch damals war schon alles vorhanden, was wir erst mit unserer heutigen Zeit in Verbindung bringen: das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen, die Auflösung von Systemen, die Endzeitstimmung und gleichzeitig die Idee einer Utopie. Auch die Wurzeln von ESTAMPIE liegen in der vielgestaltigen Musik und der komplexen Gedankenwelt des Mittelalters. Ihre Inspiration aber beziehen die Musiker aus allen Bereichen gegenwärtiger musikalischer Ausdrucksformen.

ESTAMPIE geht Einflüssen moderner Stilrichtungen wie Minimal Music, außereuropäischer Musik bis hin zur World Music nicht aus dem Weg. Im Gegenteil: ESTAMPIE sucht die Begegnung und Überschneidung mit anderen Stilarten, denn dieser »Crossover« verstärkt die einzigartige Schönheit und Wucht, die in der Musik des Mittelalters liegt. Dabei verwendet Estampie
ausschließlich mittelalterliches akustisches Instrumentarium wie Fidel, Drehleier, Laute, Schalmei, Posaune, Portativ oder »Ethno-Schlagzeug«, setzt aber im musikalisch-strukturellen Bereich neue Akzente. Mit anderen Worten:
Die alten Instrumente spielen neue Musik.

ESTAMPIE wagt den Versuch, das Mittelalter mit vielen seiner Aspekte neu zu denken, es als zeitgenössische Möglichkeit zu imaginieren. Die Musik von ESTAMPIE entzieht sich eindeutigen Etiketten und Zuordnungsversuchen, sie erfüllt weder die Direktiven des Pop noch Ansprüche der Alte-Musik-Fraktion auf historische Abbildung. Sie ist eine klingende Phantasie über jene Schimäre, die man Mittelalter nennt.


1. REIS GLORIOS / Guiraut de BORNEILH
Instrumente: Ud, Organistrum, Posaune, Portativ, Fidel, Nyckelharpa, Santouri, Percussion

Der provenzalische Troubadour Guiraut de Bornelh variiert in »Reis Glorios« das im Mittelealter bekannte Thema der Alba: ein Wächter drängt das Liebespaar im Morgengrauen zum Aufbruch, damit die verbotene Liebe nicht ans Tageslicht kommt


2. DISSE MI / Cantiga de amigo
Instrumente: Ud, Drehleier, Organistrum, Fidel, Posaune, Percussion

In Galicien, dem Land an der äußersten nordwestlichen Spitze Europas, war das Schicksal der Menschen immer eng mit dem Meer verbunden. »Disse mi« erzählt von einer jungen Frau, die einsam am Strand steht und in die Ferne blickt. Ihr Herz ist voller Hoffnung, aber auch Ungewissheit, ob ihr Geliebter wieder zurückkommen wird.


3. QUANTAS SABEDES / Cantiga de amigo
Instrumente: Ud, Drehleier, Organistrum, Nyckelharpa, Posaune, Percussion

Das Bild der einsamen Frau, die auf die Wellen des Meeres hinausschaut und über die Rückkehr ihres Geliebten nachsinnt, ist das Leitmotiv aller »Cantigas de amigo«. In Quantas sabedes ruft sie ihre Freundinnen zu sich, um gemeinsam mit ihnen die Rückkehr ihres Freundes zu erwarten.


4. O FORTUNA / Carmina Burana
Instrumente: Saz, Drehleier, Flöte, Posaune, Percussion

Die Carmina Burana kommentieren das mittelalterliche Leben aus den verschiedensten Blickwinkeln. Tief religiöse wie auch höchst irdische Themen werden zum Anlass genommen für philosophische oder satirische Betrachtungen. »O Fortuna« besingt die Launenhaftigkeit des Schicksals. Kaum wähnt sich der Mensch auf der Sonnenseite des Lebens, ist er schon wieder auf Schattenseite angekommen.


5. ESTAMPIE V
Instrumente: Saz, Drehleier, Posaune, Nyckelharpa, Flöte, Portativ, Posaune, Percussion


6. VOI CH'AMATE / Lauda
Instrumente: Tanbur, Organistrum, Fidel, Posaune, Portativ, Percussion

»Laude« sind im mittelalterlichen Italien allerorten zu hören. Diese religiösen Gesänge spiegeln die urtümliche Frömmigkeit des Volkes wieder, das von den anmaßenden Vertretern der Amtskirche die Nase voll hat und sich auf die Suche nach den ursprünglichen christlichen Werten begibt.
»Voi ch'amate« beschreibt in ergreifenden Worten die Schmerzen Marias angesichts des Leidens Christi am Kreuz.


7. NEL MIO PARLAR / Lauda
Instrumente: Ud, Posaune, Percussion


8. VOI CH'AMATE / Lauda
Instrumente: Nyckelharpa, Fidel, Posaune, Percussion

In der Nachfolge des Hl. Franziskus von Assisi ziehen Scharen von Bettlermönchen durch das Land und predigen zu den Menschen. Dabei geht es nicht immer friedvoll zu, nicht selten greifen die Prediger in ihrer Gottesliebe auch zu rabiaten Maßnahmen, um ihre Überzeugung kundzutun. Besonderen Eindruck machen die Flagellanten, die ihre Gottesfürchtigkeit dadurch unterstreichen, dass sie sich selbst auspeitschen.


9. NON SOFRE SANTA MARIA / Alfonso X el Sabio
Instrumente: Saz, Flöte, Posaune, Harmonium, Percussion

Glaube und Lebensfreude stehen im Mittelalter nicht in Widerspruch zueinander. Daher es nicht verwunderlich, dass die religiösen Gefühle die der Text von »Non sofre Santa Maria«  vermittelt, musikalisch mit tänzerischen Schwung präsentiert werden.


10. QUANTOS ME CREVEREN LOARAN

König Alfonso el Sabio (»der Weise«) beschäftigte an seinem Hof in Spanien die besten Dichter und Musiker, deren er habhaft werden konnte. Dabei spielte es für ihn keine Rolle, ob sie Christen, Juden oder Araber waren. Mit ihrer Hilfe entstand die prächtige Sammlung der »Cantigas de Santa Maria«.


11. AQUESTAS NOYTES / Cantiga de amigo
Instrumente: Ud, Saz, Fidel, Organistrum, Posaune, Percussion

»Aquestas noytes« erzählt von der Nacht und er Liebe, Doch das Liebesglück ist Vergangenheit. Die Geliebte liegt schlaflos in ihrem Bett und denkt an den Freund, der irgendwo in der Ferne weilt.






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