PilgerwegeFreiburger Spielleyt
Live-Mitschnitt des SWR2 vom 28.9.1999





medieval.org
freiburger-spielleyt.de
Verlag der Spielleute CD 0003

1999








1. Wer daz elent bawen wel (Jakobston)   [7:20]
Deutschland, 14./15. Jh. | Text: München Cgm. 809 | Melodie: Georg Forster „Frische teutsche Liedlein“

2. So ell’ enzina   [2:50]
Spanien um 1500 | anonym | Quelle: „Cancionero de Palacio”

3. Romerico   [4:02]
Spanien um 1500 | Komponist: Juan del Enzina | Quelle: „Cancionero de Palacio”

4. Parlamento   [4:53]
Italien, 14. Jh. | anonymer Instrumentaltanz | Quelle: London, British Museum, Ms. Add. 29987

5. Vox nostra resonet   [3:13]   cc 102
Spanien, 12. Jh. | anonym | Quelle: „Codex Calixtinus”

6. Ben per esta   [4:04]   CSM 221
Spanien, 13. Jh. | Komponist/Sammler: Alfonso el Sabio | Quelle: „Cantigas de Santa Maria”, Nr. 221

7. Saltarello   [4:57]
Italien, 14. Jh. | instrumentaler Springtanz | Quelle: London, British Museum, Ms. Add. 29987

8. Mariam Matrem Virginem   [3:29]   LV 8
Spanien, 14. Jh. | anonym | Quelle: „Llibre vermell”

9. Cuncti simus concanentes   [3:56]   LV 6
Spanien, 14. Jh. | anonym | Quelle: „Llibre vermell”

10. Quand nous partîmes de France   [5:41]
(La grande Chanson des Pèlerins)
Frankreich, 16. Jh. | anonym | Quelle: Abbé Camille Daux „Les chansons des pèlerins de Saint-Jacques”

11. Santa Maria amar   [5:13]   CSM 7
Spanien, 13. Jh. | Komponist/Sammler: Alfonso el Sabio | Quelle: „Cantigas de Santa Maria”, Nr. 7

11. Mandad’ ei comigo   [4:06]   ca II
Spanien, 13. Jh. | Komponist: Martin Codax | Quelle: „Cantigas de amigo“






Ensemble für frühe Musik
Freiburger Spielleyt


Regina Kabis: Gesang (Sopran)
Jutta Haaf: Harfe
Albrecht Haaf: Schalmei, Flöten, Portativ, Schlüsselfidel
Marc Lewon: Gesang (Tenor), Schlüsselfidel, Gambe, Saz, Ud
Bernd Maier: Drehleier, Dudelsack, Schalmei, Hackbrett
Murat Coşkun: Percussion


Die Freiburger Spielleyt haben sich in der jetzigen Besetzung über ihre Studien an den Musikhochschulen in Freiburg, Heidelberg und Basel (Schola Cantorum Basiliensis) zusammengefunden.

Die Verbindung von vitaler Spielfreude und gewissenhafter Interpretation der historischen Vorlagen verleiht den Freiburger Spielleyt ihren unverkennbar feinen und lebendigen Musiziercharakter.
Dabei reicht das Repertoire des Ensembles vom schlicht begleiteten Minnelied bis zur komplex-virtuosen Musik des italienischen Trecento.
Das Ensemble leistet durch seinen fachlich fundierten Umgang mit den mittelalterlichen Quellen auf hohem musikalischem Niveau einen Beitrag zum Renommee der Musik des Mittelalters auf internationalen Konzertbühnen.

Kontakt:
Jutta und Albrecht Haaf
Paula-Hollenweger-Str. 9
79379 Müllheim

Tel: 07631-12364
Fax: 07631-170555
Email: spielleyt@aol.com
Homepage: www.freiburger-spielleyt.de









Zu den Quellen:

Reich ist der erhaltene Schatz der Wallfahrtslieder zum Jakobusweg, aber auch zum katalanischen Kloster Montserrat mit der Schwarzen Madonnenstatue (gesammelt im Llibre vermell de Montserrat, dem „Roten Buch von Montserrat“), das neben Santiago de Compostela der bedeutendste mittelalterliche Wallfahrtsort Spaniens war. Durch die spanischen und portugiesischen Eroberungen wurde die Anbetung der Schwarzen Madonna von Montserrat in alle Welt getragen; In den südamerikanischen Kolonien entstanden später zahlreiche ihr geweihte Kirchen.

Zu den bekanntesten Sammlungen der Wallfahrtslieder zählen:

Cantigas de Santa Maria
Der kunstsinnige Alfonso X., König von Kastilien und Leon (Lebensdaten 1230-1280) trug den Beinamen „der Weise“ und war Herrscher über ein christliches Reich, dessen Kultur in weiten Bereichen von islamischen und jüdischen Künstlern und Gelehrten beeinflußt war – eine Tatsache, die sich ja bis heute an den großartigen Bauten Spaniens nachweisen läßt und deutlich von orientalischer Baukunst zeugen. Auch die Musik war von den Jahrhunderten maurischer Präsenz auf der iberischen Halbinsel geprägt.

Alfonso ließ in galizischer Sprache (einer Frühform des Portugiesischen) mehr als 400 Lieder zum Lob der Jungfrau Maria aufschreiben, ja, der Geschichtsschreiber Gil de Zamora berichtet, der König habe selbst viele der Lieder gedichtet, in denen er sich als „Trobador der Jungfrau“ bezeichnet.

Jeder zehnte Gesang ist ein hymnischer Lobpreis Mariens (loor), die übrigen Lieder sind fast immer kleine Geschichten von Unglücksfällen und Notlagen, die dank des wundertätigen Eingreifens der Jungfrau zu einem guten Ende kommen (mirages).

Die Cantigas de Santa Maria sind in mehreren Handschriften überliefert – ein besonders prächtiges Exemplar mit farbigen Miniaturen, in denen auch die Musikinstrumente jener Zeit abgebildet sind, befindet sich heute im Escorial.

Die einstimmig notierten Melodien lassen verschiedene rhythmische Deutungen zu, und auch hinsichtlich der Aufführungspraxis gibt es einige offene Fragen, aber dennoch ist die Quellenlage um ein Vielfaches günstiger als bei der Instrumentalmusik der mittelalterlichen Spielleute.

Llibre Vermell de Montserrat
Dies „Rote Buch von Montserrat“, eine wunderschöne Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, ist der größte Klosterschatz von Montserrat; der Name rührt von ihrem roten, im späten 19. Jahrhundert angebrachten Samteinband her. Von den ursprünglich 172 Blättern der Handschrift sind heute 35 verloren. Neben liturgischen Texten enthält das Buch (im Faszikel Folio 21v-27r; notiert ca. 1396-1399) auch zehn Kompositionen, nämlich Pilgerlieder und volksliedartige Tänze, denen geistliche Texte unterlegt wurden, ferner Chansons und Kanons, Rund- und Totentänze. All diese Lieder wurden in Montserrat wie überall von Spielleuten aus den unterschiedlichsten Ländern der damaligen Welt begleitet: Katalanische Pfeifer, französische Schalmeibläser, arabische Trommler und Lautenisten musizierten gemeinsam mit den Pilgern.
Als Bestimmung der Gesänge bezeichnet der anonyme Schreiber des Codex, daß die Pilger bei Nachtwachen in der Kirche (es gab keine Herberge am Wallfahrtsort, so daß die Kirche hierzu verwendet werden mußte) oder auch während der Wartezeiten tagsüber auf dem Kirchplatz einen Vorrat „sittlicher und andächtiger Lieder“ haben sollten, die musiziert werden könnten, ohne die „Gebete und geistlichen Kontemplationen“ der übrigen Pilger zu stören – das Konzil von Aragon hatte sich veranlaßt gesehen, 1209 die „ausgelassenen Tänze und unzüchtigen Bewegungen im Kirchenraum, ebenso Liebeslieder und ähnliche Gesänge“ zu verbieten. Daher der volksliedartige Charakter der Stücke, die jedoch in künstlerischer Weise ausgestaltet wurden, mit Einflüssen der verschiedenen europäischen Kulturen, wohl auch der höfischen Instrumentalmusik.

Das Cancionero de Palacio ist eine der wichtigsten Quellen für die spanische Musik des 15. Jahrhunderts; es enthält Kompositionen, die in der Hofkapelle des Herzogs von Alba musiziert wurden. Ursprünglich waren 551 Stücke verzeichnet; erhalten sind heute ca. 460. Juan del Enzina ist mit einigen Stücken dort vertreten; der äußerst vielseitige Künstler war nicht nur Komponist, sondern auch Dichter, Übersetzer (so übertrug er z.B. Vergils Bucolica ins Spanische) und einer der ersten, der sich in Spanien für die weltliche Bühnenkunst einsetzte (einige seiner im Cancionero de Palacio enthaltenen Stücke sind Bühnenwerke, begründet auf Vergils Eklogen). Im ausgehenden 19. Jahrhundert (1890) wurde die Sammlung von Asenjo Barbieri neu herausgegeben und führte zu einer Wiederentdeckung der großen Tradition nationaler weltlicher Instrumentalmusik.

Der Codex Calixtinus ist eine weitere Sammelhandschrift aus dem Klosterschatz von Santiago de Compostela, im dortigen Archiv verwahrt und wohl im 12. Jahrhundert niedergeschrieben. Der auch als „Liber Sancti Jacobi“ bekannte Band enthält in seinem ersten Teil ein- bis zweistimmige Stücke zur Jakobusliturgie mit einem Anhang, im zweiten 20 ein- und mehrstimmige Stücke. Außerdem sind 29 Blätter einer Chronik enthalten, die als Pseudo-Turpin bekannt ist.

E. P.








Nr. 1
Das auch unter der Bezeichnung „Jakobston“ bekannte Wallfahrtslied wurde um 1500 mehrfach aufgezeichnet und in der sich anschließenden Reformationszeit häufig parodiert, i. e. mit anderen Texten musiziert. Eine späte Aufzeichnung einer gesungenen Darbietung des Liedes ist noch aus dem 19. Jahrhundert bekannt.
Es umfaßt insgesamt 26 fünfzeilige Strophen (Nrn. 13-23 wurden in dieser Fassung weggelassen; inhaltlich handelt es sich hierbei um die eingeschobene Erzählung vom Spitalmeister von Burgos – ähnlich verkürzte ja auch Geoffrey Chaucer den Pilgern in seinen „Canterbury Tales“ die lange Wallfahrt
durch Erzählungen aller Art ...). Zunächst ist dabei von der Ausrüstung des Wallfahrers auf dem Jakobsweg die Rede: zwei Paar Schuhe, ein Regenumhang, ein Sonnenhut, eine Flasche (Kalebasse genannt), eine Schüssel, ein Sack und der Pilgerstab zur Stütze und Verteidigung. Ferner sollte der Pilger noch vor der Abreise die Beichte ablegen und Buße tun, da in der Fremde kein deutschsprachiger Geistlicher zu finden war. Derart ausgerüstet und vorbereitet, kann der Wallfahrer sich auf den Weg machen, der im folgenden anhand der wichtigsten Stationen (Schweiz, Südfrankreich, Pyrenäen) nachgezeichnet wird.
Der teils archaische Sprachgebrauch deutet darauf hin, daß zwischen der Entstehung und der Aufzeichnung des Liedes ein größerer zeitlicher Abstand anzusetzen ist.


Nr. 6
Die weiteren Strophen dieser Cantiga berichten von einer großen Krankheit, die den jungen Don Fernando befallen hatte: er vermochte gar nichts mehr zu essen und Würmer hatten ihn bereits befallen. Seine Mutter jedoch brachte ihn zum Kloster Oña, von dem sie viel Wunderbares gehört hatte. Dort verbrachte der Junge eine Nachtwache und betete zur heiligen Jungfrau, wart von ihr geheilt und binnen 15 Tagen bei größeren Kräften als er es je zuvor war. Als König Alfonso VIII, der Edle, von diesem Wunder hörte, begab er sich sofort auf eine Pilgerreise nach Oña.

Nr. 10
Dieses Lied beschreibt in 17 Strophen den Weg durch Frankreich nach Santiago de Compostela (=Saint-Jacques).


Nr. 11
Die Ortsbezeichnungen „Bolonna, Collonna, Sanssonna“ wurden vermutlich um des Reimes willen so gewählt. Onna, i. e. Oña, ist eine Gemeinde im Bezirk Burgos. Möglicherweise bezieht sich diese „Cantiga de Santa Maria“ auf eine Erzählung, die über das Kloster San Salvator de Oña (das einst Mönche und Nonnen beherbergte) im Schwange war: daß es nämlich vom Sohn einer Gräfin Onna als< Sühne für deren Hinrichtung wegen ihrer verbotenen Liebesbeziehung zu einem Moslem gegründet worden sei.








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