Camino de Santiago. Villasirga · Montserrat
Medieval Music from Spanish Pilgrimages / Spielleyt · Early Music Freiburg





medieval.org
spielleute.de
Christophorus CHR 77330
2010
Live Recording, 15.6.2008
Münster Schwarzach, Rheinmünster






1. Wer daz elent bawen wel (Jakobston) [9:13]
Deutschland, 14./15. Jh.
Text
: München Cgm. 809 | Melodie: Georg Forster „Frische teutsche Liedlein“


2. So ell’ enzina [3:03]
Spanien um 1500 | anonym | „Cancionero de Palacio”

3. Io son un pellegrin [5:01]
Italien, 14. Jh. | anonyme Ballata
Florenz, Biblioteca Nazionale Centrale, Panciatichiano 26


4. Romerico [3:43]
Spanien um 1500 | Juan del Enzina | „Cancionero de Palacio”

5. Parlamento [5:06]
Italien, 14. Jh. | anonymer Tanz | London, British Museum, Ms. Add. 29987

6. Vox nostra resonet [3:26]
Spanien, 12. Jh. | anonym | „Codex Calixtinus” cc 102

7. Santa Maria amar [5:27]
Spanien, 13. Jh. | Alfonso el Sabio | „Cantigas de Santa Maria” CSM 7

8. Ben per esta [6:21]
Spanien, 13. Jh. | Alfonso el Sabio | „Cantigas de Santa Maria” CSM 221

9. Polorum regina [3:20]
Spanien, 14. Jh. | anonym | „Llibre vermell” LV 7

10. Mariam matrem virginem [4:29]
Spanien, 14. Jh. | anonym | „Llibre vermell” LV 8

11. Salterello [7:21]
Italien, 14. Jh. | instrumentaler Springtanz | London, British Museum, Ms. Add. 29987

12. Cuncti simus concanentes [3:25]
Spanien, 14. Jh. | anonym | „Llibre vermell” LV 6

13. Quand nous partîmes de France [5:51]
(La grande Chanson des Pèlerins)
Frankreich, 16. Jh. | anonym
Abbé Camille Daux „Les chansons des pèlerins de Saint-Jacques”




English liner notes





Spielleyt · Early Music Freiburg · www.freiburger-spielleyt.de


Regina Kabis: Gesang (Sopran)
Jutta Haaf: Harfe
Albrecht Haaf: Schalmei, Flöten, Portativ, Viola d'arco
Marc Lewon: Gesang, Schlüsselfidel, Saz
Bernd Maier: Drehleier, Dudelsack
Murat Coşkun: Rahmentrommeln

Dass die Musik des Mittelalters mehr ist als nur eine wissenschaftliche Quelle, dass sie heute noch lebendig ist und begeistern kann, das beweisen die Freiburger Spielleyt schon seit vielen Jahren in zahlreichen internationalen Konzertauftritten, in Rundfunk und Fernsehen und in ihren CD-Einspielungen. Die Musiker, die sich diesem frühen Repertoire mit Enthusiasmus und Hingabe verschrieben haben, begegneten sich sowohl über ihre künstlerische Arbeit als auch über ihre Studien in Freiburg und an der Schola Cantorum in Basel und wuchsen über viele Jahre zu einem unverwechselbaren Ensemble mit großer Bühnenwirkung zusammen. Ihr Repertoire reicht vom schlichten Minnelied über die virtuose Literatur des italienischen Trecento bis zur höfischen Musik
der Renaissance. Das historische Instrumentarium, das so seltene Nachbauten wie Drehleier, gotische Harfe oder Portativ (Schoßorgel) zu bieten hat, das virtuose Spiel auf Handtrommeln, das seinesgleichen sucht, die unverwechselbare Stimme ihrer Sängerin und die kreative Natürlichkeit, mit der die historischen Quellen für Bühne und Aufnahme arrangiert werden, machen dieses Ensemble einzigartig. Es ist regelmäßig in Konzertreihen und Musikfestivals zahlreicher Länder Europas zu hören. 2002 gastierte das Ensemble auch in den USA und gab unter anderem Konzerte in New York-City.


SWR

Eine Produktion des Südwestrundfunk Baden-Baden
Excutive producer (SWR): Dr. Bettina Winkler
Recording: 15.6.2008 Münsterschwarzach, Rheinmünster
Recording Engineer: Roland Kistner
Sound Engineer: Eckhard Mehne
Mastering: Manuel Braun
Editor (MusiContact): Joachim Berenbold
Artist Photo: Thomas Kunz
Cover Photo: “Iglesia de Santiago, Carrión de los Condes”, Helmut Henningsen
Translations: English · Christopher Cartwright & Godwin Stewart / Français · Sylvie Coquillat
Ⓟ 2008 SWR
© 2010 MusiContact GmbH Heidelberg, Germany


Bereits im Jahr 1999 hatte SWR2 ein live-Konzert der „Freiburger Spielleyt“ mit Musik zum Jakobsweg aufgenommen. Aus der damaligen Aufnahme entstand die CD „Pilgerwege“ (erschienen im Verlag der Spielleute), die seinerzeit noch eben so frisch war wie die Ensemblebesetzung. So waren Marc Lewon und auch Murat Coskun erst kurze Zeit davor zum Ensemble gestoßen. Nach fast zehn Jahren Konzertroutine mit diesem Programm - Gastspiel in New York inklusive - hat der SWR2 am 15. Juni 2008 im Münster Schwarzach erneut ein Konzert der „Pilgerwege“ aufgenommen, das nun in der vorliegenden CD durch CHRISTOPHORUS veröffentlicht wurde. Ein Vergleich der beiden Aufnahmen zeigt, dass auch die „Freiburger Spielleyt“ nicht stehen geblieben und auf ihrem eigenen Weg vorangeschritten sind.

Danke, Marc, für Deine vielfältigen kreativen Impulse, die nicht nur die „Pilgerwege“, sondern auch den Weg unseres Ensembles bereichert haben. Dein persönlicher Weg führt Dich jetzt nach Oxford und Du wirst dort Dein Wissen um das Wesen der mittelalterlichen Musik noch verfeinern können.
Die Freiburger Spielleyt wünschen Dir Glück und Erfolg auf diesem Weg!

Wir danken dem Landratsamt Rastatt für die Genehmigung
zur Veröffentlichung dieser Aufnahmen





Camino de Santiago · Villasirga · Montserrat
Mittelalterliche Musik auf den Pilgerwegen Spaniens

von Albrecht Haaf

Bis zu sechs Millionen Pilger durchschreiten jährlich den Pórtico de la Gloria, um an das Ziel ihrer Reise zu gelangen – das Grab des heiligen Jakobus in der Kathedrale von Santiago de Compostela.

Durch diese große Renaissance, die der Camino de Santiago (deutsch: Jakobsweg) vor allem ab dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts erfahren hat und die bis in die Gegenwart anhält, wurde die Aufmerksamkeit auch wieder verstärkt auf die mit dem ‚Camino‘ verbundene musikalische Überlieferung gelenkt. Entsprechend zahlreich sind die Einspielungen der historischen Pilgerlieder und auch der direkt mit der Liturgie des Jakobusfestes vom 25. Juli verbundenen gregorianischen Gesänge, welche im Anhang der aus dem späten zwölften Jahrhundert stammenden Handschrift Liber Sancti Jacobi (auch Codex Calixtinus genannt) überliefert sind.

Mit der im Plural formulierten Überschrift „Pilgerwege“ hat der vorliegende Live-Konzertmitschnitt aber nicht nur ausschließlich die Musik des Jakobswegs im Blick, sondern präsentiert auch Musik weiterer Pilgerziele Spaniens. Zu diesen zählt neben Santiago de Compostela auch der am Jakobsweg liegende Marienwallfahrtsort Villasirga (heute Villalcázar de la Sirga) mit der im 11. Jahrhundert von den Tempelrittern erbauten Kirche Santa Maria la Blanca, welcher zur Zeit des Mittelalters eine weit größere Bedeutung hatte als heute. Insbesondere wurde dieser Marienwallfahrtsort von König Alfonso el Sabio X. („dem Weisen“) favorisiert, eben jenem spanischen König, welcher im 13. Jahrhundert seinen Beinamen erhielt, weil er die Wissenschaften und die Kultur förderte. Eine seiner kulturellen Großtaten war die
Herausgabe eines der Jungfrau Maria gewidmeten Buches mit über 400 Cantigas de Santa Maria.

Auf dem heute ebenfalls wieder „modern“ gewordenen Pilgerweg zum Kloster Montserrat wurde bereits im Mittelalter und wird auch heute noch die Statue der „schwarzen Madonna“ verehrt, um welche sich – ähnlich dem Camino de Santiago – zahlreiche Legenden und Wundergeschichten ranken. Zu den größten Schätzen des Klosters zählt aber das im 14. Jahrhundert entstandene Llibre vermell – ein Liederbuch, welches die Mönche des Klosters Montserrat eigens zum praktischen Gebrauch für die Marienpilger verfassten.

Seit dem im 9. Jahrhundert vermuteten Beginn der Jakobspilgerschaft gibt es zudem ein Leben am Rande der Pilgerwege, welches sich auch heute noch in den die Wege säumenden Tavernen und Refugien abspielt. Einige Istanpitten der mittelalterlichen Spielleute, die aus Italien im 14. Jahrhundert überliefert sind, würzen deshalb diese Einspielung mit lebhaft tänzerischen Klängen.


Zu den Quellen

Das deutsche Pilgerlied Wer daz elent bawen wel zählt zum Fundus der Überlieferungen volkstümlicher Pilgerlieder, die ab dem späten Mittelalter von deutschen und französischen Jakobspilgern gesungen wurden. Diese Lieder wurden in frühen kirchlichen Gesangbüchern tradiert oder überdauerten, indem sie Eingang in frühe Drucke mehrstimmiger Musik fanden. So findet sich das auch als „Jakobston“ bezeichnete Wer daz elent bawen wel sowohl im Bonner Gesangbuch von 1550 als auch in der von Georg Forster zu Nürnberg herausgegebenen Sammlung Ein Außzug guter teutscher Liedlein, der ander theil von 1540.


Der Codex Calixtinus ist eine Sammelhandschrift aus dem Klosterschatz von Santiago de Compostela. Er wird im dortigen Archiv verwahrt und wurde wohl im 12. Jahrhundert in Frankreich niedergeschrieben. Die fünf Bände des auch als Liber Sancti Jacobi bekannten Werkes enthalten unter anderem Predigten über Jakobus, Berichte von seinen Wundern und Legenden sowie eine aufschlussreiche Reisebeschreibung der Pilgerwege durch Frankreich und Spanien – also einen ersten mittelalterlichen „Pilgerführer“.

Der musikalische Teil des Codex Calixtinus schließlich enthält ein- und mehrstimmige Stücke zur Jakobusliturgie. Der überwiegende Teil der Musik des Codex Calixtinus besteht aus gregorianischen Gesängen für die Vigil und das Fest zu Ehren des heiligen Jakobus (25. Juli). Neuere musikwissenschaftliche Forschungen gehen davon aus, dass der Codex eine Art Schulgesangsbuch für die Knabenschola des Klosters Cluny in Frankreich (um 1150) darstellte, wobei unklar bleibt wie der Codex nach Santiago gelangte.


Der kunstsinnige Alfonso X., König von Kastilien und León (1221-1284) trug den Beinamen „der Weise“ und war Herrscher über ein christliches Reich, dessen Kultur in weiten Bereichen von islamischen und jüdischen Künstlern und Gelehrten beeinflusst war – eine Tatsache, die sich ja bis heute an den großartigen Bauten Spaniens nachweisen lässt, die deutlich von orientalischer Baukunst geprägt sind. Auch die Musik war von den Jahrhunderten maurischer Präsenz auf der iberischen Halbinsel geprägt.

Angeregt durch wundersame Heilungen, welche eine Marienfigur im 13. Jahrhundert in Villasirga bewirkt haben soll, ließ Alfonso in galizischer Sprache (einer Frühform des Portugiesischen) mehr als 400 Lieder zum Lob der Jungfrau Maria in den Cantigas de Santa Maria aufschreiben. Der Geschichtsschreiber Gil de Zamora berichtet sogar, der König habe selbst viele der Lieder gedichtet, in denen er sich als „Trobador der Jungfrau“ bezeichnet.

Jeder zehnte Gesang ist ein hymnischer Lobpreis Mariens (loor), die übrigen Lieder sind fast immer kleine Geschichten von Unglücksfällen und Notlagen, die dank des wundertätigen Eingreifens der Jungfrau zu einem guten Ende kommen (mirages). Die Cantigas de Santa Maria sind in mehreren Handschriften überliefert – ein besonders prächtiges Exemplar mit farbigen Miniaturen, in denen auch die Musikinstrumente jener Zeit abgebildet sind, befindet sich heute im Palast Escorial. Die einstimmig notierten Melodien lassen verschiedene rhythmische Deutungen zu, und auch hinsichtlich der Aufführungspraxis gibt es einige offene Fragen, dennoch ist die Quellenlage um ein Vielfaches günstiger als bei der Instrumentalmusik der mittelalterlichen Spielleute.

Das Llibre Vermell de Montserrat – das „Rote Buch von Montserrat“ – ist eine prachtvolle Handschrift aus dem 14. Jahrhundert und der wertvollste Bestandteil des Klosterschatzes von Montserrat. Der Name rührt von ihrem roten, im späten 19. Jahrhundert angebrachten Samteinband her. Von den ursprünglich 172 Blättern der Handschrift sind heute 35 verloren. Neben liturgischen Texten enthält das Buch (im Faszikel Folio 21v-27r; notiert ca. 1396-1399) auch zehn Kompositionen: Pilgerlieder und volksliedartige Tänze, denen geistliche Texte unterlegt wurden, ferner Chansons und Kanons, Rund- und Totentänze. All diese Lieder wurden in Montserrat wie überall von Spielleuten aus den nterschiedlichsten Ländern der damaligen Welt begleitet: Katalanische Pfeifer, französische Schalmeibläser, arabische Trommler und Lautenisten musizierten gemeinsam mit den Pilgern.

Die Gesänge des Codex dienten laut dem anonymen Schreiber dazu, dass die Pilger bei Nachtwachen in der Kirche (es gab keine Herberge am Wallfahrtsort, so dass die Kirche hierzu verwendet werden musste) oder auch während der Wartezeiten tagsüber auf dem Kirchplatz einen Vorrat „sittlicher und andächtiger Lieder“ haben sollten, die musiziert werden könnten, ohne die „Gebete und geistlichen Kontemplationen“ der übrigen Pilger zu stören – das Konzil von Aragon hatte sich veranlasst gesehen, 1209 die „ausgelassenen Tänze und unzüchtigen Bewegungen im Kirchenraum, ebenso Liebeslieder und ähnliche Gesänge“ zu verbieten. Daher der volksliedartige Charakter der Stücke, die jedoch in künstlerischer Weise ausgestaltet wurden, mit Einflüssen aus verschiedenen europäischen Kulturen und wohl auch der höfischen Instrumentalmusik.

Das Cancionero de Palacio ist eine der wichtigsten Quellen für die spanische Musik des 15. Jahrhunderts; es enthält Kompositionen, die in der Hofkapelle des Herzogs von Alba musiziert wurden. Ursprünglich waren 551 Stücke verzeichnet; erhalten sind heute ca. 460. Juan del Enzina ist mit einigen Stücken dort vertreten; der äußerst vielseitige Künstler war nicht nur Komponist, sondern auch Dichter, Übersetzer (so übertrug er z.B. Vergils Bucolica ins Spanische) und einer der ersten, der sich in Spanien für die weltliche Bühnenkunst einsetzte (einige seiner im Cancionero de Palacio enthaltenen Stücke sind Bühnenwerke, begründet auf Vergils Eklogen). Im usgehenden 19. Jahrhundert (1890) wurde die Sammlung von Asenjo Barbieri neu herausgegeben und führte zu einer Wiederentdeckung der großen Tradition nationaler weltlicher Instrumentalmusik.


Zum Instrumentarium
An den Portalen der romanischen und gotischen Kathedralen entlang der großen Pilgerstraße nach Santiago de Compostela sind die vielfältigen Instrumente der mittelalterlichen Musik zu sehen. Speziell über dem Hauptportal in der Westfassade der Kathedrale von Santiago hat der Bildhauer Magister Matheus in seinem 1188 vollendeten Tympanon den in seiner Glorie wiederkehrenden Christus mit einem kompletten mittelalterlichen Ensemble umgeben. Es sind die über dem Haupt Christi in einem Halbkreis schwebenden 24 Ältesten der Apokalypse, die alle ein Instrument in ihren Händen halten. Von links nach rechts blickend sieht der Betrachter unter anderem Psalterien, Fideln, Harfen, Lauten und ein Organistrum (eine überdimensionale Drehleier). An anderen Portalen (z.B. in León, Burgos, Carrión de los Condes und vielen weiteren) sieht man Instrumentendarstellungen von Dudelsäcken, Flöten, Portativorgel, Glocken und Trommeln. Als Vorlage zur Orientierung heutiger Instrumentenbauer, die sich mit historischer Rekonstruktion befassen, kommen Bilddarstellungen hinzu, wie diese nicht zuletzt auch in den oben beschriebenen Cantigas de Santa Maria in Gestalt von detaillierten Bildminiaturen zu sehen sind. Dort gibt es auch Doppelflöten und weitere Blasinstrumente zu sehen, sowie detailliertere Darstellungen von Schlaginstrumenten. Ein Großteil dieses Instrumentariums erwacht unter den Händen der „Freiburger Spielleyt“ zu neuem Leben und umrahmt den Gesang der Solistin und der „Pilger“.





Nr. 1
Das auch unter der Bezeichnung „Jakobston“ bekannte Wallfahrtslied wurde um 1500 mehrfach aufgezeichnet und in der sich anschließenden Reformationszeit häufig parodiert, i. e. mit anderen Texten musiziert. Eine späte Aufzeichnung einer gesungenen Darbietung des Liedes ist noch aus dem 19. Jahrhundert bekannt. Es umfasst insgesamt 26 fünfzeilige Strophen (die Strophen 13-23 wurden in dieser Fassung weggelassen; inhaltlich handelt es sich bei diesen um die eingeschobene Erzählung vom Spitalmeister von Burgos – ähnlich verkürzte ja auch Geoffrey Chaucer den Pilgern in seinen Canterbury Tales die lange Wallfahrt durch Erzählungen aller Art). Zunächst ist dabei von der Ausrüstung des Wallfahrers auf dem Jakobsweg die Rede: zwei Paar Schuhe, ein Regenumhang, ein Sonnenhut, eine Flasche (Kalebasse genannt), eine Schüssel, ein Sack und der Pilgerstab zur Stütze und Verteidigung. Ferner sollte der Pilger noch vor der Abreise die Beichte ablegen und Buße tun, da in der Fremde kein deutschsprachiger Geistlicher zu finden sei. Derart ausgerüstet und vorbereitet, kann der Wallfahrer sich auf den Weg machen, der im Folgenden anhand der wichtigsten Stationen (Schweiz, Südfrankreich, Pyrenäen) nachgezeichnet wird. Der teils archaische Sprachgebrauch deutet darauf hin, dass zwischen der Entstehung und der Aufzeichnung des Liedes ein größerer zeitlicher Abstand anzusetzen ist.


Nr. 7
Die Ortsbezeichnungen „Bolonna, Collonna, Sanssonna“ wurden vermutlich um des Reimes willen so gewählt. Ouna, i. e. Oña, ist eine Gemeinde im Bezirk Burgos. Möglicherweise bezieht sich diese Cantiga de Santa Maria auf eine Erzählung, die über das Kloster San Salvador de Oña (das einst Mönche und Nonnen beherbergte) im Schwange war: dass es nämlich vom Sohn einer Gräfin Onna als Sühne für deren Hinrichtung wegen ihrer verbotenen Liebesbeziehung zu einem Moslem gegründet worden sei.


Nr. 8
Die weiteren Strophen dieser Cantiga berichten von einer großen Krankheit, die den jungen Don Fernando befallen hatte: er vermochte gar nichts mehr zu essen und Würmer hatten ihn bereits befallen. Seine Mutter jedoch brachte ihn zum Kloster Oña, von dem sie viel Wunderbares gehört hatte. Dort verbrachte der Junge eine Nachtwache und betete zur heiligen Jungfrau, wart von ihr geheilt und binnen 15 Tagen bei größeren Kräften als er es je zuvor war. Als König Alfonso VIII, der Edle, von diesem Wunder hörte, begab er sich sofort auf eine Pilgerreise nach Oña.


Nr. 13
Dieses Lied beschreibt in 17 Strophen den Weg durch Frankreich nach Santiago de Compostela.







The Road to Santiago —Villasirga — Montserrat

Medieval Music from Spanish Pilgrimages

by Albrecht Haaf


Up to six million pilgrims stride through the Pórtico de la Gloria every year to reach the goal of their journey — the tomb of St. James in the Cathedral of Santiago de Compostela.

Throughout this great renaissance, which the Camino de Santiago (Road to Santiago) has experienced, particularly in the last quarter of the twentieth century, and which has lasted to the present day, the sight and sound has also been strengthened by the link to the musical tradition connected with the ‘Camino’. Accordingly, there are numerous recordings of historic pilgrimage hymns, and also of Gregorian Chants directly connected with the liturgy of the Feast of St. James on the 25th July, which have come down attached to the manuscript Liber Sancti Jacobi (also known as the Codex Calixtinus) dating from the late twelfth century.

With the plural headline “Pilgrimages” the present live-concert recording is not restricted solely to the road of St. James, but also presents music from other Spanish destinations. As well as Santiago de Compostela, and also lying on the St. James road, there was the place of Marian pilgrimage Villasirga (now known as Villalcázar de Sirga) with its eleventh century church Santa Maria la Blanca built by the Templars, which in the Middle Ages had a far greater importance than today. In particular, this place of Marian pilgrimage was favoured by King Alfonso el Sabio X (“the wise”), that Spanish King, who was given his nickname in the thirteenth century because he promoted science and culture. One of his great cultural feats was the publication of a book dedicated to the Virgin Mary, containing over four hundred Cantigas de Santa Maria.

The “modern” pilgrim's way to the monastery of Montserrat existed in the Middle Ages, and the statue of the “Black Madonna” was also worshipped as it still is today, around which — as with the Camino de Santiago — many legends and stories of miracles have grown up. Among the greatest treasures of the monastery is the fourteenth century Llibre vermell — a hymn-book, which the monks of the Montserrat monastery compiled specially for practical use by the Marian pilgrims.

Since the supposed ninth century beginning of the St. James pilgrimage there has also been a life along the pilgrim way, which takes place even today in the taverns and refuges lining the route. Several Istanpittas by medieval minstrels, like those which have come down to us from fourteenth century Italy, spice up this performance with light dancing sounds.


On the sources

The German pilgrim's hymn Wer daz elent bawen wel (He who wishes to travel to foreign parts) is one of the fund of traditional pilgrim hymns, which were sung by German and French St. James pilgrims in the late Middle Ages. These hymns were handed down or survived in early church hymn-books, from which they found their way into early printed music for several voices. So we find Wer daz elent bawen wel, still described as “Jacobston”, in the Bonn hymn-book of 1550 and also in Georg Forster's collection Ein Außzug guter teutscher Liedlein, der an-der theil published in Nuremberg in 1540.


The Codex Calixtinus
is a manuscript collection from the monastic treasure of Santiago de Compostela. It is preserved in the archive there, and was probably written down in the twelfth century in France. The five books of the work, also known as Liber Sancti Jacobi, contain, among other sermons about St. James, accounts of his miracles and legends as well as an informative road-map of the pilgrim's way through France and Spain — thus one of the first medieval “pilgrim guides”.

The musical part of the Codex Calixtinus finally contains pieces for one and two voices for the St. James liturgy. The predominant part of the music in the Codex Calixtinus consists of Gregorian Chants for the Vigil and Feast in honour of St. James (the 25th July). Recent musicological research suggests that the Codex was a kind of school hymn-book for the boy scholars of the Cluny Monastery in France (about 1150), though it remains unclear how the Codex reached Santiago.


The cultured Alfonso X, King of Castile and León (1221-1284) bore the nickname “the Wise”, and ruled a Christian kingdom, whose culture was influenced in wide areas by Islamic and Jewish artists and teachers — a fact that can be proved to this day by the splendid Spanish buildings and the clear evidence of oriental architecture. The music was also shaped by the centuries of the Moorish presence on the Iberian peninsula.

Inspired by the wondrous cures which a figure of Mary in Villasirga had worked in the thirteenth century, Alfonso had more than four hundred hymns, in the Galician language (an early form of Portuguese), in praise of the Virgin Mary written down in the Cantigas de Santa Maria. The historian Gil de Zamora even noted that the King had composed many of the hymns himself, in which he described himself “Troubadour of the Virgin”. Every tenth hymn is a Hymn in Praise of Mary (loor), and the other hymns nearly always tell a tale of mishaps and difficulties, which, thanks to the miraculous intervention of the Virgin, has a happy ending (mirages).

The Cantigas de Santa Maria have come down to us in various manuscripts — a particularly splendid example, with coloured miniatures, in which the musical instruments of the time are depicted, is to be found today in the Escorial Palace. The notation of the melodies for one voice allow for various rhythmic interpretations, and with regard to performance practice there is also an open question, but nevertheless the source situation is many times more favourable than it is for the instrumental music of the medieval minstrels.


The Llibre Vermell de Montserrat — the Red Book of Montserrat — is a wonderful manuscript from the fourteenth century, and the most valuable part of the monastic treasure of Montserrat. The name comes from its late nineteenth century red velvet binding. Of the original 172 pages of the manuscript 35 are today lost. As well as liturgical texts the book also contains (in the fascicle Folio 21v-27r; noted down ca. 1396-1399) ten compositions, namely pilgrim hymns and folk dances, which were put under sacred texts, distant chansons and canons, round dances and a dance of death. All these hymns were accompanied in Montserrat by minstrels from the most varied lands in every part of the known world: Catalan pipers, French shawm players, Arab drummers and lutenists made music together with the pilgrims.

As the purpose of the hymn the anonymous writer of the Codex indicates that the pilgrim, during the night vigil in the church (there were no lodgings in the place of pilgrimage, so that the church had to be used for that) or during the waiting period in the daytime in the church square, must have a supply of “moral and reverent hymns”, which can be performed without disturbing the “prayers and holy contemplation” of the other pilgrims — the Council of Aragon had ordered in 1209 that “lively dances and indecent gestures in the church, as well as love songs and similar songs” should be prohibited. That is why the folk song character of the pieces, influenced by various European cultures, and probably also by courtly instrumental music, was arranged in an artistic way.


The Cancionero de Palacio is one of the most important sources for fifteenth century Spanish music; it contains compositions, which were played in the court chapel of the Dukes of Alba. Originally 551 pieces were recorded; today about 460 remain. Juan del Enzina is represented by several pieces there. This extremely versatile artist was not only a composer, but also a poet, a translator (he translated for example Virgil's Bucolica into Spanish) and one of the first to support the secular stage in Spain (some of his pieces contained in Cancionero de Palacio are stage works, based on Virgil's Eclogues). Towards the end of the nineteenth century (1890) the collection was published anew by Asenjo Barbieri, and that led to a rediscovery of the great tradition of national secular instrumental music.


About the instruments

On the portals of the Romanesque and Gothic cathedrals along the great pilgrim ways to Santiago de Compostela can be seen the diverse instruments of medieval music. Especially over the main portal in the west facade of Santiago Cathedral the sculptor Master Matheus, in his tympanum completed in 1188, gives us Christ in His Majesty with a complete medieval ensemble. Over the central figure of Christ there are suspended in a semicircle the 24 Elders of the Apocalypse, who all have an instrument in their hands. From left to right can be seen, among others, psalteries, fiddles, harps, lutes and an organistrum (a huge hurdy-gurdy). On other portals (e. g. in León, Burgos, Carrión de los Condes and many others) can be seen portrayals of bagpipes, flutes, portative organs, bells, drums. As a source of information for present day instrument builders, who deal with historical reconstructions, it can be added as a pictorial representation, not least like those in the Cantigas de Santa Maria, mentioned above, in the form of detailed miniatures. There can be seen double flutes and other wind instruments, as well as detailed portrayals of percussion instruments. Most of these instruments come to life again in the hands of the “Freiburger Spielleyt”, and frame the singing of the soprano soloist and the “pilgrim”.






No. 1
This pilgrim hymn, also known by the term “Jakobston”, was noted many times around 1500, and during the ensuing Reformation was frequently parodied, i. e. sung with different words. A late mention of a sung performance of the hymn in the nineteenth century is even known. Altogether it contains 26 verses of five lines (verses 13-23 are omitted in this version; the subject of these inserted verses was the story of the Hospital Master of Burgos – similarly the pilgrims in Geoffrey Chaucer’s Canterbury Tales passed the time during the long pilgrimage telling stories of all kinds). First of all the equipment of the pilgrims on the road to St James can be learned from their talk: two pairs of shoes, a raincoat, a sun-hat, a flask (known as a calabash), a bowl, a sack and the pilgrim’s staff for support and defence. Further, before the journey the pilgrim must make his confession and do penance, because no German speaking priest was to be found in the foreign country. Thus equipped and prepared, the pilgrim can set out on his journey, which goes through the most important stations in the following (Switzerland, Southern France, the Pyrenees). The partly archaic language indicates that there was a larger time interval between the genesis and the noting down of the hymn.


Nr. 7
The place names “Bolonna, Collonna, Sanssona” were perhaps chosen because they rhymed. Onna, or Oña, is a commune in the district of Burgos. Possibly this “Cantiga de Santa Maria “ refers to a story about the monastery of San Salvador de Oña (which in the past housed both monks and nuns), that it was founded by the son of a Countess Onna to expiate her execution for her forbidden love for a Muslim.


Nr. 8
The other verses of this Cantiga tell of a great illness which had befallen the young Don Fernando. He would not eat anything, and he was already assailed by worms. His mother, however, took him to the Oña monastery, from which she had heard about many miracles. There the young man spent a night’s vigil and prayed to the Holy Virgin, whereupon he was cured by her and recovered his strength within 15 days. When King Alfonso VIII, the Noble, heard about this miracle, he immediately made a pilgrimage to Oña.


Nr. 13
This hymn describes in 17 verses the road across France to Santiago de Compostela.






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