Mel et lac / ensemble Peregrina
Marianische Gesänge des 12. Jahrhunderts





peregrina.ch
medieval.org
muziekweb.nl
Raumklang RK 2501

2005






1. Patris ingeniti filius  [2:59]
London, BL, add. 36.881, f. 12
Benedicamus-Lied — KL/AD/AB


2. Res iocosa  [2:21]
London, BL, add. 36.881, f. 21v
Versus — AD/KM


3. Divina maduit aera  [1:23]
Cambridge, Univ. Libr., Ff.i.17.(1), f.3
Versus — KL/AD/Harfe


4. Thronus regis instauratur  [6:00]
Cambridge, Univ. Libr., Ff.i.17.(1), f. 2v
Versus — KM/AB/Refrain: alle


5. Candida virginitas  [3:12]
Paris, BNF, f. lat. 3719, f. 99
Responsorium — alle/Vers: KL


6. Preconia virginis  [2:49]
Paris, BNF, f. lat. 3719, f. 47v
Responsoriums-Prosula — alle/Oberstimme: KL


7. Petrus ABAELARDUS (1079-1142). Epithalamica  [7:52]
Paris, BNF, n.a.l. 3126, f.90v
Prosa — alle/Solo: KL, Harfe


8. Quam felix cubiculum  [1:53]
London, BL, add. 36.881, f. 21r-v
Versus — KL/AB


9. Gaude Maria virgo  [3:58]
Paris, BNF, f. lat. 1139, f. 141v
Responsorium — alle/Vers: AB


10. Inviolata Maria  [4:30]
Paris, BNF, f. lat. 3719, f. 81v
Responsoriums-Prosula — alle/Oberstimme: AB


11. Lectio Libri Sapientie. Maria mater indulgentie  [5:05]
Paris, BNF, f. lat. 1139, f. 70v
Tropierte Lesung — AB/AD/Tropus: KL


12. Flos floriger  [2:51]
Cambridge, Univ. Libr., Ff.i.17.(1), f. 3v
Benedicamus-Lied — KL/AB


13. Castitatis lilium effloruit  [5:06]
Madrid, BN, ms 289, f. 130
Benedicamus-Lied — alle/Solo: AB, Sinfonia


14. Ad cantus leticie  [1:56]
Cambridge, Univ. Libr., Ff.i.17.(1), f. 3v
Benedicamus-Lied — alle








The three members of the Basel-based ensemble Peregrina began working together in 1997 during their studies at the Schola Cantorum Basiliensis.

The ensemble Peregrina researches and performs the repertories of twelfth to fourteenth century Europe, specializing in vocal polyphony for equal voices. The sacred and secular music of the Middle Ages, such as the organa and conductus of high medieval Notre Dame, Marian antiphons from England, Trecento madrigals and the motets of manuscripts from Montpellier and Bamberg provide a rich repertory for three voices, and serve as the backbone of the ensemble Peregrina's current work.

For specific programs this core ensemble is supplemented by guest vocalists and instrumentalists, as suits the requirements of the music. Their interpretation and style is informed by original source materials and treatises, as well as the latest musicological and historical research, and strives to create performances as close as possible to the sources.

The name "peregrina", the wanderer, echoes the migration of music and ideas throughout Europe in the course of the Middle Ages, but also reflects the journeys of the singers themselves. The ensemble members, from Poland, Switzerland and the United States, together create a dynamic balance by virtue of their differing origins, through which they emulate the interaction and convergence of the cultures and histories of the music they perform.




Peregrina
Agnieszka Budzińska-Bennett

Agnieszka Budzińska • Gesang, Harfe
Anita Dettwiler • Gesang, Sinfonia
Kelly Landerkin • Gesang

und

Kinga Misiak • Gesang



Quellen:
Paris, BNF, f. lat. 1139 — # 9, 11
Paris, BNF, f. lat. 3719 — # 5, 6, 10
Paris, BNF, n.a.l. 3126 — # 7
London, BL, add. 36.881 — # 1, 2, 8
Cambridge, Univ. Libr., Ff.i.17.(1) — # 3, 4, 12, 14
Madrid, BN, ms 289 — # 13

Thronus regis instauratur: Text der Strophen 2-5 nach Berlin, Staatsbibliothek, Ms Phill. 1996
Ad cantus leticie: Text der letzten Strophe nach Stuttgart, WLB, cod. Stutt. HB I Asc. 95.
Epithalamica: »Quam fecit dominus« bis Schluss nach Le Puy, Bibl. du Grand Séminaire, Prosolarium Ecclesiae Anicensis, s.s.


Instrumente:
Harfe — Claus Henry Hüttel, Düren (D) 2001
Sinfonia — Siegfried Jud, Mels (CH) 1999

Ensemble Peregrina would like to thank
– Dr. Peter Reidemeister (SCB) for his trust and continuing support, without which this recording would not have been possible.
Our thanks also go to
– Prof. Wulf Arlt (University of Basle) for inspiring advice on some transcriptions,
– Dr. Jeremy Llewellyn (University of Copenhagen) for his important musicological contributions,
– Dr. Thomas Drescher (SCB) for seamless co-ordination of the production process
as well as
– Philipp Zimmermann (University of Basle) for his invaluable work on the texts and translations and his eternal support for our group.


Best.-Nr.: RK 2501

Eine Koproduktion von Raumklang, der Schola Canto Basiliensis und dem Schweizer Radio DR52.

Ausfuhrende Produzenten / Executive producers:
Christiane Nicolet (SR DRS2), Dr. Thomas Drescher (SCB), Sebastian Pank (Raumklang)
Aufgenommen / Recorded: Katholische Kirche Seewen / Kanton Solothurn (Schweiz), 28.-30. April 2003
Aufnahme und Schnitt / Recording and editing: Andreas Werner

Gestaltung / Design: Andreas Stötzner
Übersetzungen: Philipp Zimmermann
Translation: Kelly Landerkin
Traduction: Carola Hertel
Fotos: Daniela Hoesli

© und Ⓟ Raumklang 2005



English liner notes







Mel et lac - Honig und Milch
Marianische Gesänge des 12. Jahrhunderts


»Ihr Freunde und Getreuen,
stellt Euer Plaudern nun ein;
vernehmt ein neues Lied
über die Jungfrau Maria.«

Diese in Altokzitanisch entworfene Szene zu Beginn eines Liedes des 12. Jahrhunderts ruft geradezu danach, vor dem inneren Auge nachvollzogen zu werden. Stellen wir uns die große Halle eines mittelalterlichen Hofes in Okzitanien vor. Im Kamin knistert das Feuer. Ritter und Edelleute sind nach dem Mahl in Konversation vertieft. Das Stimmengewirr wird plötzlich durch einen Sänger unterbrochen, der sich zum Vortrag rüstet. Mild tadelt er sein Publikum für dessen eitles Geschwätz. Dann lenkt er die Aufmerksamkeit geschickt auf ein anderes Thema: ein neues und unerhörtes Lied; ein Lied zum Preis der Jungfrau Maria.

Szenenwechsel. Das kalte, strenge Innere einer zisterziensischen Abteikirche in Nordfrankreich um 1150. Aufgereiht stehen die abgehärteten, tonsurierten Mönche in schlichten Gewändern aus naturfarbener Wolle und vereinen ihre Stimmen zum gesungenen Lobpreis am Festtag der Geburt der Jungfrau Maria. Nach dem Verklingen des Gesangs ist die ganze Aufmerksamkeit der monastischen Gemeinschaft auf ihren Abt, Guerric von Igny, gerichtet, der sich anschickt, die Festpredigt zu halten. »Heute«, donnert seine Stimme, »hat eine neue Mutter ihre hinfälligen Kinder erneuert und die Laster der nicht nur ererbten, sondern weiter verschlimmerten Schwachheit von ihnen genommen.« Tief in Andacht versunken statten die Mönche gerne ihren Dankestribut an die belebende Macht der Patronin ab: Maria, die jungfräuliche Gottesmutter.

Was verbindet diese zwei Szenen? Beide stützen sich, so fiktiv sie auch sind, auf authentische Texte des 12. Jahrhunderts. Beide versuchen eine Vergegenwärtigung der gesellschaftlichen Situation, in der diese Texte, so stilisiert sie auch sind, zur Aufführung gekommen sein könnten. Am engsten verbindet sie aber die bemerkenswerte Bedeutung, die sie der Neuheit, Novität, Erneuerung und Reform beimessen. Und zwar wird dies über die Botschaft hinaus auch auf das Medium des Vortrages übertragen.

Der entscheidende Begriff zur Bezeichnung von Neuheit im oben angeführten okzitanischen Gedicht ist so noel, »neues Lied«. Die analoge Formulierung nova cantica findet sich auch in zeitgenössischen lateinischen liturgischen Liedern. In der Tat lässt sich zu Beginn des 12. Jahrhunderts in Südwestfrankreich, wie z. B. in Aquitanien, dem Poitou oder der Gascogne, eine ausgeprägte Vorliebe für neue Liedformen beobachten. Im Bereich der vulgärsprachlichen Dichtung betrifft dies die Schöpfungen der ersten Generationen von Troubadours, die in mehr oder weniger moralisierendem Ton von Liebe, Pflicht und Eroberung singen. Aus dem Bereich der aquitanischen kirchlichen Institutionen ist eine Fülle lateinischer Lieder überliefert, die sich thematisch und in gewissen Fällen auch funktional auf die Hauptfeste des Kirchenjahrs, besonders auf Weihnachten, beziehen. Die Neuheit dieser Lieder, der vulgärsprachlichen wie der lateinischen, beruht auf der jeweils individuellen künstlerischen Ausgestaltung von Musik und Text für jede einzelne Komposition. Im Gegensatz zu einem strophischen Liedrepertoire in der Art der Hymnen, wo die gleiche, festgelegte Silbenzahl in allen Texten einer gewissen Anzahl von Standardmelodien unterlegt werden konnte, emanzipiert sich die Musik im neuen Lied von der Rolle des simplen Textvortrages: in ihrer neu errungenen Freiheit kommt der Musik größere Bedeutung als Mitgestalterin eines künstlerischen Ganzen zu. Das heißt aber nicht, dass diese neuen Lieder als Werke im emphatischen Sinne, sozusagen in Marmor gehauen, betrachtet werden sollen. Es ist eher so, dass die Einzigartigkeit einer individuellen künstlerischen Konzeption auf verschiedene Weise der jeweiligen Aufführungssituation angepasst werden konnte.

In der zisterziensischen Predigt ist der Gegenstand neu: die Jungfrau Maria, die als nova mater beschrieben wird. Das theologische Konzept der Jungfrau als Heilsbringerin ist charakteristisch für das 12. Jahrhundert; und in der Tat räumten ihr im Verlauf jenes Jahrhunderts Künstler, Dichter und Theologen eine immer bedeutendere Rolle in der Heilsgeschichte des Menschen ein. Diese Dynamik ist im Rahmen einer breiteren – je nach Optik als Renaissance oder Reform des 12. Jahrhunderts bezeichneten – kulturgeschichtlichen Entwicklung zu sehen, in der die Kirche wieder erstarkte, die Wissenschaften florierten, die Künste auflebten.

So stehen die Lieder dieser CD in einem historischen Brennpunkt. Auf der einen Seite wird das 12. Jahrhundert Zeuge eines zunehmenden theologischen und dichterischen Interesses an der Jungfrau Maria – vom Heiligen Geist mit Honig gesalbt und durch ihre nährende Milch als Lebensspenderin verehrt. Auf der anderen Seite existiert eine Selbstreflexivität in den musikalischen Mitteln, mit denen diese literarischen Konzepte ausgedrückt werden. Die daraus hervorgehenden Kompositionen dürfen zu Recht als marianische Neue Lieder bezeichnet werden.

Von ihrer Form her lassen sich die Lieder in drei Gruppen unterteilen. An erster Stelle stehen die Benedicamus-domino-Lieder, die im ganzen mittelalterlichen Europa weit verbreitet waren. Sie wurden höchstwahrscheinlich zur letzten liturgischen Handlung – der Entlassung – beim Stundengebet der Laudes und der Vesper gesungen. Der Aufforderung »Gelobet sei der Herr!« antwortete die Akklamation »Dank sei Gott«. Aus dieser einfachen Dialogsituation mit Ruf und Antwort erwuchsen die faszinierendsten dichterischen und musikalischen Schöpfungen, von denen sich eine exquisite Auswahl auf der CD findet. Die Pointe dieser oft strophischen Lieder besteht in einem kompositorischen Geflecht, das die Proportionen und das Reimschema der ursprünglichen Elemente Ruf und Antwort aufnimmt, die dann am Ende der jeweiligen Teile deutlich herausgestellt zitiert werden. Es überrascht daher nicht, dass Benedicamus-domino-Lieder oft kürzere Verse und ein Vorherrschen von Endreimen auf -o aufweisen. Dies ist deutlich bei Patris ingeniti filius (#1) zu beobachten, einer strophischen Vergegenwärtigung der Verkündigungsszene zwischen Maria und dem Erzengel Gabriel. Die Hinweise auf »heute« im Zusammenhang mit der Geburt Christi lassen vermuten, dass dieses zweistimmige Benedicamus-domino-Lied an Weihnachten gesungen wurde. Das Interesse des ensemble Peregrina am Improvisieren zeigt sich hier – wie auch in einigen anderen Liedern dieser Aufnahme – durch das allmähliche, improvisierte Hinzufügen einer dritten Stimme. Castitatis lilium effloruit (#13) kombiniert in seiner einfachen Melodik kunstvoll den Bericht über Christi Geburt in der ersten Hälfte mit der Beschreibung der Jungfrau Maria in der zweiten Hälfte. Diese Aufteilung wird durch den Refrain unterstrichen, der von der Aufforderung zur Feier des Festtages im ersten Teil zu einer litaneiartigen Bitte um Läuterung im zweiten wechselt. Flos floriger (#12) weist ebenfalls einzelne Momente einer litaneiartigen Anrede auf, ist aber mit einer ganzen Reihe Epitheta klarer auf den Lobpreis der Jungfrau fokussiert. Schließlich spiegelt Ad cantus leticie (#14) im Text wie auch in der Musik – mit Tonwiederholungen und Melodieläufen – die weihnachtliche Freude.

Der zweite hier vertretene Liedtypus ist weniger klar zu fassen und kann schlicht als versus oder gesungene Dichtung bezeichnet werden. Der Aufführungskontext solcher Kompositionen ist nicht unmittelbar klar. In gewissen Fällen lassen Anspielungen auf den Akt des Lesens vermuten, dass sie im Zusammenhang mit den Lesungen des Offiziums stehen. Andererseits sind auch Aufführungen an anderen Stellen von liturgischen Feierlichkeiten besonders festlicher Art oder vielleicht sogar anlässlich von Versammlungen der Klerikergemeinschaft an solchen Festtagen denkbar. Dem allgemeineren Begriff versus gemäß weisen diese Kompositionen eine ganze Palette von Verfahren im Umgang mit dichterischen Techniken und Themen auf. Res iocosa (#2) ergeht sich zum Beispiel in Wortspielen, Assonanzen und Alliterationen, was der Komposition zusammen mit den langen Melismen eine sehr nuancierte Komplexität verleiht. Die verschiedenen Umkehrungen in Text und Musik verdeutlichen auch den theologischen Gehalt der Komposition. Im Gegensatz dazu ist Quam Felix cubiculum (#8) der Schnappschuss eines Kusses zwischen Braut und Bräutigam im Schlafzimmer. Der Schock dieses kurzen versus wird jedoch dadurch gemildert, dass in der Dichtung versichert wird, dass »dort der Keuschheit keine Gefahr drohte«, da es sich bei den Brautleuten um den Heiligen Geist und die Jungfrau Maria in einer – nicht so unbefleckten – Szene der Empfängnis handelt. Thronus regis instauratur (#4), das als einstimmiges Lied überliefert ist, hier durch das ensemble Peregrina aber zur Mehrstimmigkeit erweitert wird, ist ein äußerst gelehrter Text mit Refrain, der theologisch das Wesen der jungfräulichen Geburt und die Inkarnation Gottes reflektiert. Das entzückende Divina maduit aera (#3) ist weniger raffiniert und singt auf beinahe naive Art vom »kleinen Ackergras« – der Jungfrau Maria – das zu Judäas Freude eine Blüte hervorbringt.

Der dritte und letzte hier vertretene Liedtypus umfasst Kompositionen für die Liturgie. Sowohl Candida virginitas (#5) wie auch Gaude Maria virgo (#9) sind Responsorien aus dem Stundengebet der Matutin zum Fest der Assumptio, an dem die Kirche Mariä Himmelfahrt feiert. Das Neue dieser beiden Lieder liegt in den Texten, die den langen Schlussmelismen der Responsorien unterlegt und mit einer zweiten Stimme versehen wurden. In solchen neuen Hinzufügungen – Prosulae genannt – bietet das Textieren von zuvor textlosen, rein melodischen Passagen den Bearbeitern die Möglichkeit, die in den ursprünglichen Texten angesprochenen Themen zu entfalten und zu erläutern. So nimmt die Prosula Inviolata Maria (#10) zum Responsorium Gaude Maria virgo die unbefleckte Natur der jungfräulichen Geburt auf und entwickelt sie thematisch wie auch durch dichterische Strukturierung, Reimschema und melodische Wiederholungen. Viele von diesen Verfahren finden sich auch in der Prosula Preconia virginis (#6) zum Responsorium Candida virginitas. Das Einfügen von neu geschriebenen Texten in einen bestehenden liturgischen Gesang findet sich auch in der Lesung für die Jungfrau Maria (#11). In diesem Fall wird die schlichte Rezitation des Epistel-Textes von dichterischen Einfügungen unterbrochen, die – ähnlich wie im Fall der Benedicamus-domino-Lieder und der Responsoriums-Prosulae – oft die Proportionen und das Reimschema des Bezugstextes aufgreifen.

Neuheit wäre nicht Neuheit, wenn es nicht eine Ausnahme gäbe. Das neue Lied Epithalamica (#7) passt nicht ohne weiteres in einen der drei oben beschriebenen Liedtypen, ja es widersetzt sich geradezu einer Kategorisierung. Die ambitiöse Komposition – die einem der großen Geister des 12. Jahrhunderts, Petrus Abaelardus, zugeschrieben wird – greift auf die biblische Sprache des Hohen Liedes zurück, um die packende Geschichte zu erzählen, wie Freude schließlich über Sorge triumphiert, wenn die Braut ihren verlorenen Bräutigam wieder findet. Eine solche Sprache ist von anderen neuen Liedern über Maria her vertraut, aber das Ausmaß und die Mannigfaltigkeit von melodischen Wiederholungen und die schiere Länge dieses Liedes sind neuartig. So stellt Epithalamica einen der Gipfelpunkte in der Komposition von neuen Liedern des 12. Jahrhunderts dar.

Jeremy Llewellyn





Katholische Kirche Seewen



Mel et lac – Honey and Milk
Twelfth-Century Songs for the Virgin Mary


"My friends and my faithful ones,
let chatter be;
learn a new song
about the Virgin Mary."


This scene, sketched in Old Occitan at the opening of a song from the twelfth century, almost clamours to be envisioned in the mind's eye. We could imagine the great hall of a medieval court in Occitania, flames flickering from the fireplace. Knights and barons engage in convivial after-dinner conversation. This hubbub suddenly dies down as a singer girds himself up for performance. In a manner no less sociable, he begins by upbraiding his audience for their idle chatter. Then he enticingly suggests an alternative object for their attentions: a song that is fresh and novel; a song that celebrates the Virgin Mary.

Now switch scenes. The cold, austere interior of a Cistercian abbey church in northern France around 1150. Rows of hardy, tonsured monks in plain robes of undyed wool join their voices together in sung praises. It is the feast of the Nativity of the Virgin Mary and as the chanting comes to a close, the monastic community watches attentively as its abbot, Guerric of Igny, prepares to deliver the festal sermon. "Today," his voice rings out, "a New Mother has brought newness to her decrepit sons, repairing the vice of a decrepitude just as much inborn as further accrued." Deep in contemplation, the monks gratefully acknowledge their indebtedness to the revivifying powers of their patroness; Mary, the virgin mother of God.

What unites these two scenes? Both are based, however imaginatively, on authentic texts from the 12th century. Both attempt to re-envision the social situations in which these texts, however stylized, may have been performed. Most importantly, however, both accord a remarkable prominence to newness, novelty, renovation and reform. Furthermore, this emphasis seems to extend not only to the message, but also to the chosen medium for performance.

The crucial words concerning novelty in the Old Occitan verse above are so noel, or 'new song'. A similar formulation can also be found in contemporaneous Latin songs of religious content, nova cantica. Indeed, at the beginning of the 12th century there appears to have been a particular predilection for cultivating new song forms in southwestern French regions such as Aquitaine, Poitou and Gascony. In the realm of vernacular poetry this related to the creative efforts of the earliest generations of troubadours who sang in more or less moralising tones of love, duty and conquest. In the case of Aquitanian ecclesiastical institutions, a wealth of Latin songs have survived which thematically and, in certain cases, functionally relate to the liturgical celebration of the main feasts in the Church's year, especially Christmas. The novelty of these songs, vernacular and Latin alike, lay in the individually-crafted artifice, in music and text, for each new composition. Unlike those strophic song repertories, such as hymns, where a strict number of syllables in any one poetic text could be joined to a number of standard melodies (and vice versa for the sequence), the new song emancipated music's role of simply bearing the form of the text: in its new-found freedom, music came to enjoy greater importance as co-articulator of an artistic whole. This does not mean that these new songs should be considered emphatically as 'works', set in stone. Rather, the uniqueness of an individual artistic conception could be inflected in different ways depending on performance situations.

In the Cistercian sermon, it is the subject matter that is new: the Virgin Mary, who is described as the nova mater. This theological reflection on the salvific qualities of the Virgin is characteristically 12th-century; indeed, during this century, artists, poets and theologians accorded her an ever more vibrant role within the history of man's salvation. In fact, this development can be viewed as part of a wider cultural history described either as the 'renaissance' or 'reform' of the 12th century where the Church was revitalized, learning flourished and artistic production was reinvigorated.

Thus the songs on this recording can be situated at a confluence. On the one hand, the 12th-century witnessed a theological and poetic increase in attention on the Virgin Mary – anointed with honey by the Holy Spirit and seen as the sustainer of life through her nurturing milk; and on the other, there existed a self-reflexivity in the musical possibilities for expressing this literary material. The resulting compositions could simply be called 'Marian new songs'.

In terms of song type, the compositions fall into three broad groups. First are the Benedicamus domino songs which were widely disseminated across medieval Europe. These were most probably performed in connection with the last liturgical action – the dismissal – of the Office celebrations of Lauds and Vespers. To the exhortative invitation "Let us bless the Lord!" came the affirmative acclamation, "Thanks be to God". Out of this simple dialogue structure of call and response grew the most captivating poetic and musical creations; a fine selection of which is presented here. The conceit of this often strophic song type was, therefore, to weave a compositional texture which respected the proportions and rhyme-scheme of the original liturgical exclamations; indeed, ultimately highlighted them at the end of the composition. It is thus not surprising to find shorter line lengths or a proliferation of final -o rhymes in Benedicamus domino songs. This is amply demonstrated at the end of Patris ingeniti filius (#1), a strophic depiction of the Annunciation scene between Mary and the angel Gabriel. The references to 'today' and 'the birth of Christ' suggest this 2-voice Benedicamus domino song was sung at Christmas. The ensemble's interest in improvisation is evidenced here, as well as in some other pieces on this recording, through the gradual introduction of a third voice. Castitatis lilium effloruit (#13), although melodically simple, ingeniously combines the narrative of Christ's birth in its first half with descriptions of the Virgin Mary in its second. This division becomes apparent in the use of the refrain which switches from celebrating the feast day to asking for purification in the manner of a litany. Flos floriger (#12) also contains flashes of a litany-like mode of address, but concentrates more decidedly on the person of the Virgin, regaling her with epithets. Finally, Ad cantus leticie (#14) reflects on the joy of Christmas both in its text and – with repeated notes and melodic cascades – also in its music.

The second song type represented here is more diffuse and can simply be called a versus, or poetic composition. It is not immediately clear in which situations these compositions were performed. In some cases, allusions in the texts themselves to the act of reading suggest that they might have been performed in connection with the lessons read during the Office. Otherwise, one could imagine performance at other junctures in liturgical celebrations of a particularly festal character or, even, at other communal gatherings on such days. As befitting the more general term versus, these compositions display a variety of ways in manipulating poetic techniques and themes. Res iocosa (#2), for example, delights in word-games, assonances and alliterations which, with long melodic melismas, gives the surface of the composition a very nuanced complexion. The various inversions in text and music also bring the theological content of the versus to the fore. By means of contrast, Quam felix cubiculum (#8) is a snapshot of a bedroom kiss between Bride and Bridegroom. The shock in this short versus is, however, eased by the poetic assurance that "there was no danger in that place to chastity!" since the persons in question were the Holy Spirit and the Virgin in a miniature – and not so immaculate – Conception scene. Thronus regis instauratur (#4), notated as a monophonic song in the manuscript but arranged polyphonically by the ensemble, is a notably erudite text with refrain which reflects theologically on the nature of the Virgin birth and the incarnation of Christ. Less sophisticated is the charming Divina maduit aera (#3) which sings almost naively of the "little twig" – the Virgin Mary – bringing forth a flower to Judea's rejoicing.

The third and final song type represented here are compositions for the liturgy. Both Candida virginitas (#5) and Gaude Maria virgo (#9) are responsories for the Office of Matins on the feast of the Assumption when the Church celebrated Mary's ascent into heaven. The novel aspect of these two songs lies in the composition of new poetic texts, subsequently set for 2 voices, to the long melismas which traditionally brought these responsories to an end. In these new additions – prosulae – the texting of previously textless passages of pure melody enabled composers to expand and expound on the themes raised in the original liturgical texts. Thus the prosula Inviolata Maria (#10) for Gaude Maria virgo picks up on the inviolate nature of the Virgin birth and develops it thematically as well as through poetic structuring, rhyme-schemes and melodic repetitions. Many of the same procedures are found in the prosula Preconia virginis (#6) for the other responsory, Candida virginitas. The insertion of newly-composed texts into pre-existing liturgical chants can further be heard in the lesson for the Virgin Mary (#11). In this case, the simple recitation of the epistle text is interrupted by poetic insertions which, as in the case of the Benedicamus domino songs and responsory prosulae, often take up the proportions and rhymes of the core text.

Novelty would not be novelty without an exception. The new song Epithalamica (#7) does not easily fit into one of the three song types described above. In fact, it defies categorisation. It is an ambitious composition – scholarship has attributed it to one of the great minds of the 12th century, Peter Abelard – which uses the biblical language of the Song of Songs to tell the dramatic story of joy overcoming grief as the Bride finds her lost Bridegroom. This language is familiar from other new songs about Mary but the degree and diversity of melodic repetition and sheer length of this song are novel. In this way, Epithalamica represents one of the highest achievements in the composition of new song in the 12th century.

Jeremy Llewellyn




Katholische Kirche Seewen


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